Die Insel Šolta - Das Reich der Wildnis nahe bei Split

Die Insel Šolta - Das Reich der Wildnis nahe bei Split

Eine Insel mit zwei Gesichtern

Die Insel Šolta liegt in unmittelbarer Nähe zu Split und Trogir und ist oft ein Zielpunkt der Nautiker, die ihren Charter-Törn in einer ihrer Buchten beginnen oder beenden. Šolta ist jedoch viel mehr als ein netter Übernachtungsort für Segler in der Nähe von Split; dies ist eine Insel der illyrischen Legenden, der antiken Fischgründe, der mittelalterlichen Dichtung, der reichen Seefahrtstradition und einer immer mehr ins Rampenlicht rückenden Kellerwirtschaft und der typischen gastronomischen Spezialitäten des Mittelmeerraums.

Mario Paparela / TZ Šolta

Das Beste für die heutigen Besucher Šoltas liegt darin, dass der Geist der Vergangenheit noch immer zu spüren ist, wenn man in einer ihrer Buchten oder kleinen Ortschaften am Meeresufer Halt macht oder die bewohnten Orte des Inselinneren besucht. Denn wegen der historischen Umstände waren die Dörfer im Inselinneren die einzigen ständig bewohnten Punkte, während sich ihre Häfen erst mit der Zeit zu Inselorten verwandelten, die heute auch als kleine charmante nautische Zentren wirken.

So hat die Insel Šolta acht Ortschaften, Gornje, Srednje und Donje Selo, das Verwaltungszentrum Grohote im Innenland der Insel – und ihre Häfen sind das heutige Rogač, Nečujam, Stomorska und Maslinica. Alle Häfen sind dem Festland zugewandt und bilden den Mittelpunkt der sommerlichen Veranstaltungen auf dieser Insel. Um Ihnen eine Vorstellung von den Entfernungen zu verschaffen: alle acht Ortschaften liegen entlang der einzigen Inselstraße, die sich von Osten nach Westen schlängelt und nur vierzehn Kilometer lang ist.

Petar Jurica / Hotel Martinis Marchi

Urbane Zentren

Gleich hinter der Šešula-Bucht, im westlichsten Teil der Insel, befindet sich der alte Fischerort Maslinica, heute bekannt durch die schönste kleine Marina in Kroatien, am Fuß des 1708 von der Familie Alberti erbauten Schlosses Martinis Marchi an der Südseite der Bucht. Heute ist es als modernes Hotel erneuert und lockt mit einer Luxusmarina mit Liegeplätzen für 40 Boote. Dank des Jachthafens hat sich im Ort ein Angebot für Nautiker entwickelt, die es sich in Maslenica in mehreren schön eingerichteten Restaurants mit einem guten Meeresspezialitäten-Angebot gut gehen lassen können.

Jure Ravlić / TZ Šolta

Der an der Nordseite der Insel liegende Rogač ist der Haupthafen von Šolta; er hat eine neu gebaute Anlegestelle für Linienschiffe, aber auch eine alte Riva, die von der Tankstelle bis zum Ende der Bucht reicht und heute eine schöne kleine Anlegestelle mit kostenpflichtigen Liegeplätzen ist. Nautiker kommen nicht nur wegen der Liegeplätze oft gerne nach Rogač, sondern auch, um Treibstoff zu tanken, denn die Wartezeit ist hier um ein Zehnfaches kürzer als in Split.

Etwa eine halbe Seemeile von Rogač entfernt, in südöstlicher Richtung, erscheint vor uns die größte und zerklüftetste Bucht von Šolta: Nečujam. In Piškera, einer der verstecktesten kleinen Buchten von Nečujam, hatte Kaiser Diokletian einen Fischteich. Davon zeugt die unter Wasser liegende Mauer am Eingang in die Bucht, in einer Tiefe von nur einem Meter, so dass man sie auch bei einem Tauchgang mit angehaltenem Atem besichtigen kann. Nečujam hat den Vater der kroatischen Literatur, Marko Marulić, inspiriert, der hier viel Zeit verbrachte und seine Meisterwerke schuf, angeregt durch die Stille und Harmonie dieses Ortes.

 

Von Nečujam sind es zwei Seemeilen bis zum namhaften Stomorska, dem verhältnismäßig kleinen Hafen mit den vielen Steinhäusern entlang der Riva. Genau in dieser ältesten Inselortschaft hat die Entwicklung des Nautiktourismus auf Šolta begonnen. Die Bewohner von Stomorska waren von jeher durch ihre imposante Flotte von Holzsegelbooten bekannt, die ihnen jahrelang zum Transport von Wein, Öl, Feigen und Holz dienten.

Mario Jelavić

Zu Beginn der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bauten die Schiffbauer diese Holzsegelboote nach und schufen Schiffe, die für touristische Rundreisen auf der ganzen Adria ausgelegt waren. Heute ist Stomorska ein attraktives nautisches Zentrum auf der Insel mit einer ganzen Reihe von ausgezeichneten Restaurants. Der nautische Teil des kleinen Hafens bietet 25 Liegeplätze für Segelboote und zwei Liegeplätze für Megajachten.

Wenn Sie sich entschließen, vom sicheren Liegeplatz in einem der Häfen auf der Insel in das Inselinnere vorzustoßen, dann werden Sie in eine andere Raum-Zeit-Dimension gelangen, denn im Innenland von Šolta ist die Zeit einfach stehen geblieben. Man stößt auf einige gepflegte Weingärten, die durchwegs jüngeren Weinbauern gehören, die sich an dem Projekt der Wiederbelebung der autochthonen Weinsorte Dobričić von Šolta beteiligen. Die Insel ist voller Olivenhaine, denn der Olivenanbau ist momentan die am stärksten entwickelte landwirtschaftliche Tätigkeit auf der Insel.

 

Zur Freude der Besucher entwickelt sich auch die Bienenzucht; so können Sie während Ihres Aufenthalts auf der Insel auch Honig der Spitzenklasse genießen. Von Grohote nach Westen hin befinden sich die Dörfer Srednje und Donje Selo, beide in fast ursprünglicher Form erhalten, mit Steinhäuschen und einer Kirche in der Mitte des relativ kleinen Platzes. Gerade diese Verbindung von Tradition und Moderne verleiht Šolta eine unwiderstehliche Anziehungskraft, die diese Insel heute zu einem immer attraktiveren Zielpunkt für Nautiker macht.

Mario Paparela / TZ Šolta

Das Reich der Wildnis

Die dem Meer zugewandte Südseite der Insel ist von einer ganzen Reihe „wilder“ Buchten geprägt, in denen so gut wie keine Spuren der Zivilisation zu finden sind, was dem schwer zugänglichen Gelände zu verdanken ist, das einen Besuch von der Meerseite zu einem gewagten Unterfangen macht. Die modernen Piraten „attackieren“ von der Landseite aus; deswegen sind Nautiker in den Buchten an der Südseite Šoltas überwiegend sicher vor solchen „Angriffen aus der Zivilisation“.

Wir passieren die Meerenge von Split und nehmen Kurs auf die Südseite der Insel, die von den Einwohnern Šoltas als Izvanje bezeichnet wird. Die erste Bucht heißt Livka. Dies ist ein hydroarchäologischer Fundort und ein attraktives Tauchrevier, doch die Bucht eignet sich auch zum Übernachten auf dem Boot, wenn Winde aus dem 4. und 1. Quadranten wehen. Gleich daneben liegt die nach Westen ausgerichtete, tiefe und wunderschöne Stračinska-Bucht, mit herrlichen Stränden und einigen Fischerhütten und Wochenendhäusern.

 

Weiter nordwestlich stoßen wir neben den hohen, senkrechten, scharf und tief ins Meer abfallenden Felsen auf zwei schöne und tief eingezogene Buchten, Grabova und Senjska. Beide haben an ihrem Ende einige kleine Häuser und wunderschöne Strände. Einer Legende nach hatte die illyrische Königin Teuta ihren Hof oberhalb der Senjska-Bucht.

 

Danach folgen die zwei kleineren Buchten Lučica und Jorja, in denen man Ankerbojen findet, und schließlich die bekannteste Bucht auf der Südseite Šoltas, Tatinja. Sie gliedert sich in drei Arme; in jedem davon stehen mehrere kleine Häuser und eine Mole mit Fischerbooten. Weiter nach Nordwesten hin befinden sich noch einige kleinere Buchten. Die schönste und am besten geschützte davon ist Zaglav.

 

Außer diesen größeren Buchten am Südufer der Insel Šolta findet man noch eine ganze Reihe kleinerer Buchten, in denen kleinere Boote beim gutem Wetter vor Anker gehen und ein wahres „Robinsondasein“ führen können, wie etwa die Poganica, doch dazu ist es nötig, die Technik des vierfachen Anlegens (Heck zum Felsen und Buganker) zu beherrschen, deswegen empfiehlt sich die Übernachtung in diesen kleinen Buchten nicht, falls Sie kein Experte sind.

Hinter dem Marinča-Kap im Westteil der Insel eröffnet sich uns ein herrlicher Blick auf eine Reihe von kleinen Inseln, die an der Westküste Šoltas der bekanntesten Bucht für Segler vorgelagert sind, nämlich der tiefen und versteckt liegenden Šešula. In der Bucht befinden sich zwei Restaurants mit kostenfreien Anlegestellen, die ausschließlich Gästen zur Verfügung stehen. Hier steht auch der älteste Kalkofen der Insel – auf Šolta wurde bereits zu Zeiten, als Kaiser Diokletian seinen Palast baute, Kalk gebrannt, und so sagt man auch, Šolta habe die Stadt Split gebaut.