Lernen Sie die Rote Martha kennen – die Herrin, die grausamer war als ein Drache

Lernen Sie die Rote Martha kennen – die Herrin, die grausamer war als ein Drache

Ganz weit im Osten Kroatiens, im Schoß der mächtigen Donau, liegt die Ortschaft Zmajevac. Obwohl der Name vermuten lässt, dass sich in diesem Raum vor langer Zeit Drachen aufhielten, sieht die Wahrheit etwas anders aus.

 

In der malerischen Umgebung der Weingärten und des friedlichen Flachlands war die heutige Winzerhauptstadt der Baranja durch die Rote Martha zu Bekanntheit gelangt, die für die örtlichen Einwohner schrecklicher war als ein Drache.

Sergio Gobbo

Noch vor etwa einhundert Jahren trug die Ortschaft Zmajevac auch den Namen Vörösmart, was auf Ungarisch Rote Martha bedeutet. Namensgebend war eine grausame Feudalherrin mit rotem Haar, die in diesem Raum lebte und allen Einwohnern Baranjas Angst einjagte.

Sergio Gobbo

Die Legende besagt, dass diese mächtige Adelige ein Goldstück für die Überführung über die Donau verlangte. Wer nicht bezahlen konnte, wurde zur Arbeit in ihren Weinbergen gezwungen und dazu noch geschlagen und ausgepeitscht.

In der Donau glitzern noch immer die Goldstücke der Roten Martha

Die Geschichten über ihre Grausamkeit und die Bezahlung der Überfahrt gelangten auch an den ungarischen Hof, und so machte sich der König Matthias Corvinus auf den Weg in die Baranja, um diesen Geschichten persönlich auf den Grund zu gehen.

 

Er verkleidete sich in einen Bauern, und da er an der Fährstelle kein Goldstück zur Bezahlung der Überfahrt hatte, landete er in Marthas Weinbergen. Er arbeitete den ganzen Tag lang und lernte die schrecklichen Mühsale des gemeinen Volks kennen, das sich hier die Überfahrt über den Fluss verdienen musste. Beim Umgraben warf er unbemerkt ein Goldstück in den Weingarten, mit dem er der bösen Herrin die Überfahrt bezahlte.

 

Nach seiner Rückkehr nach Buda sandte der König der Roten Martha einen Brief zu, in dem er beschrieb, welche Schrecken er in ihren Weinbergen erlebt hatte. Aus Angst vor Bestrafung durch den König und in dem kranken Wunsch, die Goldstücke zu behalten, spannte sie ihre Kutsche an und warf sich in die Donau.

 

Der Ort, an dem der Fluss ihren leblosen Körper ans Ufer spülte, bekam den Namen Vörösmart (der alte Name für Zmajevac – Anm. d. A.), und der Ort, an dem ihre Peitsche, mit der sie ihre Leibeigenen ausgepeitscht hatte, gefunden wurde, heißt Batina. 

Ivo Biočina

Der Überlieferung nach sollen die Ortseinwohner von Zmajevo und der anliegenden Dörfer noch viele Jahre lang in der Abenddämmerung eine rothaarige Frau gesehen haben, die über der Donau schwebt und auf die Weingärten herabblickt. Wenn die Sonne auf den majestätischen Fluss scheint, sieht man auch heute noch die Goldstücke der Roten Martha glitzern.