Jure Grando – der älteste Vampir Europas mit Vor und Nachnamen

Jure Grando – der älteste Vampir Europas mit Vor und Nachnamen

Das Landesinnere Istriens ist ein Magnet für Freunde von Natur und Spitzenkost, darunter Seine Majestät, der Trüffel, und die Königin der istrischen Weine, die Sorte Malvasier. All diese Köstlichkeiten findet man leicht in der kleinen Ortschaft Kringa, 20 Kilometer von den Meeresperlen Poreč, Vrsar und Rovinj entfernt. Es ist ein typisches istrisches Dorf mit einer kleinen Kirche, Steinhäusern, römischen Trockenmauern und gastfreundlichen Menschen, wo man während des Urlaubs leicht die Außenwelt und die Wochentage vergisst.

Julien Duval / TZ Central Istria

Doch vor einigen Hundert Jahren dachte niemand in Kringa an Hedonismus und Ruhe, weil im Dorf ganze 16 Jahre lang der älteste Vampir Europas umherging, der einen Vor- und Nachnamen hatte. Die Legende vom „Štrigun“ (der damaligen lokalen Bezeichnung für einen Vampir – Anm. d. A.) wird von Generation zu Generation übertragen; sie soll auch die bekannten Schriftsteller Byron, Le Fanu und Stoker zu Vampirgeschichten inspiriert haben.

Haben Sie Angst vor Vlad, dem Pfähler? Warten Sie, bis Sie die Geschichte über den istrischen Vampir Jure Grando gehört haben

Die schauderhafte Geschichte beginnt im Jahr 1656 in Istrien, als ein Verstorbener namens Jure Grando begraben wurde. Recht bald nach dem Begräbnis begannen die Ortseinwohner eine Gestalt zu sehen, die mit einem toten Schaf auf der einen Schulter und einer toten Katze auf der anderen im Dorf umherging. Die Nächte, in denen der unheimlich lächelnde Jure gesichtet wurde, verbreiteten Angst und Schrecken unter den Einwohnern Kringas. Er erschien auch dem Pater Giorgio, der am Friedhof die Messe für ihn gehalten hatte, und Grandos Witwe erzählte verängstigt, der Verstorbene besuche sie oft in der Nacht, um sie zu quälen.

 

Der oben genannte Pater machte bald eine schreckliche Entdeckung. Jeder Mensch, an dessen Tür Jure Grando im Laufe der Nacht anklopfte, verstarb innerhalb von wenigen Tagen. In jener Zeit war Kringa ein wahres Dorf der Angst, besonders nachdem es Pater Giorgio und dem Bürgermeister Miho Radetić nicht gelungen war, der Bestie einen Pflock durch das Herz zu treiben.

Julien Duval / TZ Central istria

Erst in einer Nacht des Jahres 1672 beschlossen neun mutige Ortsbewohner, bewaffnet mit einem Hagedornpflock, Kreuzen und anderem vampirabwehrenden Werkzeug, Jures Schreckensherrschaft ein Ende zu bereiten. Als sie das Grab öffneten, erstarrten ihre Gesichter vor Angst, denn Grandos Körper war unversehrt und er hatte ein Lächeln auf dem roten Gesicht.

Als es ihnen nicht gelungen war, den Hagedornpflock durch sein Herz und seine Eingeweide zu treiben, ergriff der Einwohner Stipan Milašić eine scharfe Axt und schlug Jure den Kopf ab. In dem Moment ertönte ein gräulicher Schrei durch den Friedhof und der istrische Vampir begann zu zucken und um sich zu schlagen, als sei er noch am Leben.

 

Schließlich waren die „Vampiraustreiber“ erfolgreich. Kringa war von einem großen Übel befreit, und es kehrte wieder Ruhe und Frieden in das Dorf ein. So ist das Dorf auch heute; Fangzähne können einem nur noch wachsen, wenn es um istrische Leckerbissen geht.