Intrigen, Eifersucht und Hexen im alten Zagreb

Intrigen, Eifersucht und Hexen im alten Zagreb

Nur wenige Hundert Meter vom Ban-Josip-Jelačić-Platz, dem Mittelpunkt der kroatischen Hauptstadt entfernt, in der pulsierenden Tkalčić-Straße voller kleiner sympathischer Restaurants und Cafés, steht das Denkmal an eine der größten Schriftstellerinnen und die erste kroatische Journalistin Marija Jurić Zagorka.

Marko Vrdoljak / TZ Zagreb

Im Schatten der Sonnenuhr (sunčana vura) beginnt die Geschichte über Intrigen, Eifersucht, Mystik und Tragödie, in der sich zahlreiche Wahrzeichen Zagrebs, wie etwa der Manduševac-Brunnen, die St. Markuskirche, der Mesnič-Turm, Grič und Kaptol zur perfekten Kulisse der romantischen Abenteuer der Hauptfiguren verwandeln.

Auf den Spuren der bekanntesten Zagreber Hexe

Die Hexe von Grič, bei deren Erschaffung die Fantasie der Autorin Marija Jurić Zagorka auf vollen Touren lief, wurde zu einem der beliebtesten Werke der kroatischen Literatur. Die Figur der Contessa Nera brachte viele Generationen kroatischer Leser und Leserinnen zum Lachen und Weinen. Bei der Schaffung dieses Kapitalwerkes zog Marija Jurić Zagorka viele Manuskripte aus der reichen Geschichte Zagrebs heran. Die Inspiration für die Figur der Contessa Nera bezog sie aus Schriften über Hexen, die auf die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückgehen.

 

Die Hexe von Grič oder Coprnica, wie Hexen in der Zagreber Mundart genannt werden, war die schöne Bäckerin Barica Cindek, deren einzige Sünden darin bestanden, dass sie schön und unter ihren vielen Kunden auf dem Markusplatz beliebt war. Da die Witwe Barica alle Verehrer, selbst jene aus angesehenen Kreisen, der Reihe nach ablehnte, begannen die in ihrem Stolz verletzten Männer, Gerüchte zu ersinnen, sie sei die Anführerin einer Hexenzunft, die mit dem schwarzen Teufel gemeinsame Sache macht. In den damaligen abergläubischen Zeiten fielen die Geschichten auf fruchtbaren Boden. Baricas tragisches Schicksal war praktisch besiegelt, als sie die Annäherungsversuche eines der einflussreichsten Zagreber Notare ablehnte.

 

Der rachsüchtige Lacko Sale strengte einen Prozess gegen die Handelsfrau an, der auf Falschaussagen von Frauen fußte, die behaupteten, Barica sei eine Hexe. Obwohl in ganz Europa bereits seit 300 Jahren eine Bewegung immer stärker wurde, die sich gegen die Verunglimpfung, Folter und Verbrennung unschuldiger Frauen aussprach, musste Barica Cindek den Kreuzweg im Kerker durchmachen. Dem Tod entkam sie praktisch im letzten Moment, indem sie mit der Hilfe von Freunden und Familie den gierigen Notar Sale bestach.

 

Doch nur drei Monate nach Abschluss des Prozesses entschloss sich Barica Cindek zu einem mutigen Schritt, der sie letztendlich das Leben kostete. Die unglückliche Bäckerin beschloss, vor Gericht Gerechtigkeit gegen den mächtigen Sale zu finden, indem sie Klage wegen Bestechung, Unzucht und Suche des Teufelssiegels auf dem Körper gegen ihn erhob. Die gewöhnliche Handelsfrau hatte keine Chance gegen den reichen Notar und endete einer Quelle zufolge recht bald auf dem Scheiterhaufen.

Julien Duval

Marija Jurić Zagorka wollte ihre Heldin Nera vor solch einem tragischen Schicksal verschonen. In dem Roman „Die Hexe von Grič“ fand die Contessa nach schrecklichen Leiden ihr Glück in den Armen des Kapitäns Siniša. Denken Sie an diese Legende, wenn Sie die Düfte, Geschmäcke und Töne der Tkalčić-Straße bei den zwei großen Wahrzeichen Zagrebs, der Marija Jurić Zagorka und der Sonnenuhr, genießen.