Ein Turm der Liebe mit Blick auf 50 Nuancen von Blau

Ein Turm der Liebe mit Blick auf 50 Nuancen von Blau

Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich den mediterranen Wald vor, saftig grün, duftend und voller Leben. Haben Sie? Gut, nun stellen Sie sich ein türkisfarbenes Meer um diesen Wald herum vor, das Sie zum Schwimmen, Tauchen oder sorglosen Sitzen am Strand einlädt. Fertig? Toll...

 

Sie haben sich gerade die Insel Silba vorgestellt, ein 15 Quadratkilometer großes adriatisches Paradies auf Erden. Sie wird auch das Tor Dalmatiens genannt. Nebst ihrer wunderschönen Natur ist sie auch als die Fußgängerinsel bekannt. Es gibt keine Autos und Motorräder, erst ein paar Traktoren, mit denen Geschäfte beliefert werden. Gerade deswegen sind Anhänger, die sogenannten „Karići” oder zu Deutsch Karren, die einzigen Verkehrsmittel, die für die Beförderung von Sachen verwendet werden und die zum Markenzeichen der Insel geworden sind.

 

Der Spaziergang durch die Straßen in dem einzigen Ort Silba wird Sie auf den ersten, zweiten und dritten Blick erobern. Lachen hallt durch die engen Gassen, der Duft der Salsa, die wie eine gastronomische Version des Morsezeichens durch die Luft zieht, ein Insel-Zen, im dem die Zeit auf eine andere Weise verläuft, irgendwie feiner, langsamer und menschlicher ... Silba wird wie ein erfahrener Aufreißer in Ihr Herz eindringen, ohne dass Sie es bemerken.

 

Mitten in der kleinen Ortschaft befindet sich ein hohes, elegantes Gebäude, das alles wie eine fürsorgliche ältere Schwester überwacht. Die Einwohner von Silba nennen es den Turm der Liebe oder Marinićs Türmchen. Es handelt sich um einen runden schmalen Turm, dessen äußere Wendeltreppe zu einem Plateau führt, vom dem sich aus ein Blick auf 50 Nuancen des berauschenden Adriablaus erstreckt.

Nebst diesem Blick, der wie geschaffen zum Posten in sozialen Netzwerken ist, ist dieser Turm auch ein Denkmal einer Liebe, die Generationen der Einwohner von Silba erzählt wurde.

Silba – eine Insel, auf der die Liebe ihr Denkmal hat

Nämlich, im 19. Jahrhundert haben sich Petar Marinić und Antonija Mauro verliebt. Jung, schön und mit vielen Plänen für das Zusammenleben. Petar war ein Seemann, den Antonija jedes Mal, wenn er von der Seefahrt zurückkehrte, sehnsüchtig erwartet hat. Bevor er zu einer Reise aufgebrochen ist, hat er ihr versprochen: „Wir werden heiraten, wenn ich zurückkomme, wir werden einen Garten um das Haus pflanzen und im Garten einen Turm, von dem aus wir die ganze Insel und das Meer sehen werden, bauen.“ Es folgte ein Kuss und der Abschied.

 

Die Jahre vergingen und Petar lernte die Grausamkeit der kalten Meere, beider Amerikas und der Küste Australiens kennen. Zur gleichen Zeit hat Antonija alle Stürme und Neveren der Einsamkeit erlebt. Da sie von dem Warten müde war, hat sie einen anderen Mann geheiratet.

 

Nach einer langen Fahrt über die weltweiten Ozeane kehrte Petar nach 20 Jahren auf seine Heimatinsel zurück. Jetzt war er nicht mehr nur ein Seemann, sondern ein echter Seewolf, der bei seiner Rückkehr von vielen jungen Frauen begrüßt wurde. Aber seine Antonija kam nicht. Seine Aufmerksamkeit zog ein kleines Kind auf sich, das seiner jugendlichen Liebe auffallend ähnelte. Seine Freunde sagten ihm, es sei Antonias Tochter Domenika. Petar kniete vor ihr nieder und sagte: "Antonija hat nicht auf mich gewartet, aber wenn die Mutter nicht meine Frau werden konnte, dann wird es die Tochter werden. Ich werde warten, bis sich dieses Kind zur Frau entwickelt.“

 

Petar war hartnäckig und wartete lange 20 Jahre, solange seine Reise über die Weltmeere gedauert hat. Als er Domenika geheiratet hat, hat er im Garten den ihrer Mutter versprochenen Turm gebaut, neben dem die Inschrift steht: „Dieser Turm wurde 1872 als Zeichen der Liebe und Treue erbaut. Es ließ ihn der alte Seewolf Petar Marinić bauen.“