Die Versteinerten Hochzeitsgäste - ein Symbol für große Liebe und den Fluch der Mutter

Die Versteinerten Hochzeitsgäste - ein Symbol für große Liebe und den Fluch der Mutter

Die grüne Seele Zagrebs, die Medvednica, hat über 70 markierte Wanderpfade. Die leichter zugängliche Seite des Gebirges ist der kroatischen Hauptstadt Zagreb zugewandt und erfreut sich unter Ausflüglern größerer Beliebtheit. Besonders am Wochenende genießt man von hoch oben das Stadtgewühl in der Ferne. Die andere Seite, dem Kroatischen Zagorje zugewandte Seite ist viel steiler, unzugänglicher und damit auch intimer.

 

Zu den bekannteren Örtlichkeiten in diesem Gebirgsteil gehören die Versteinerten Hochzeitsgäste (Kameni Svatovi), eine Gruppe von Dolomitfelsen, die an versteinerte Menschen erinnern. Bis zur Spitze der Kameni Svatovi führen mehrere Wege. Nach einer etwa zweistündigen Wanderung kann der Wanderer an der nahegelegenen Berghütte den Blick auf die charmanten Dörfer des Kroatischen Zagorje genießen, mit den Gebirgszügen von Samobor und Žumberak in der Ferne.

 

Wie eine Mutter ihren Sohn wegen seiner Liebe zu einem armen Mädchen versteinerte

 

Ihren Namen bekamen die Versteinerten Hochzeitsgäste nach einer Legende, die der einflussreichste kroatische Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, August Šenoa, in seinen Erzählungen beschrieben hatte. Šenoas Denkmal kann man auch sehen, wenn man sich über den Pfad oberhalb der Ortschaft Jablanovec in Richtung der Kameni Svatovi auf den Weg macht.

 

Der Volksüberlieferung nach lebten vor langer Zeit ein Müller, eine Müllerin und ihr einziger Sohn an den Hängen der Medvednica. Sie waren fleißige Leute, die gut von ihrer Mühle lebten. Der Müller war froh, weil er seinem Sohn die Zukunft gesichert hatte, und die Müllerin wollte nur eine Schwiegertochter haben, die schön, fröhlich und so reich wie ihr einziger Sohn war.

 

Die Jahre vergingen, und der Sohn war auch weiter ledig, so dass sich die Müllerin Sorgen machte, ob ihrem Sohn etwas Probleme bereitete. Sie wollte ihn zur Heirat anregen und begann die Namen von Mädchen aufzuzählen, die für eine Heirat in Frage kamen. Der Sohn hörte sie mit Geduld an und gab dann zu, über beide Ohren in die junge und schöne Janja verliebt zu sein. Als sie hörte, wer die Auserwählte ihres Sohnes war, geriet die Müllerin in Wut, den Janja war ein armes Mädchen, und die Mutter hatte für ihren Liebling eine Frau aus reichem Hause ins Auge gefasst. Den Streit beendete der Müller, der seinem Sohn sagte, er solle das Mädchen heiraten, das ihm ans Herz gewachsen war.

 

Am Tag der Hochzeit blieb die Müllerin verärgert zu Hause. Als sie die Kirchenglocken hörte, die das Ritual des Eheschlusses ankündigten, verfluchte sie die Hochzeitsgäste mit dem Satz, den auch August Šenoa niedergeschrieben hatte: Verfluchte Gesellschaft an dem Felsen, werde zu Stein! Es kam sofort ein Sturm auf, und ein Blitz schlug mitten im Dorf ein, der den Müller, den Sohn, die Schwiegertochter und alle Hochzeitsgäste versteinerte.

 

Die steinernen Statuen stehen auch heute an derselben Stelle, und in Sturmnächten werden sie von einer weißen Frau besucht, die weinend spricht: „Wenn man liebt, gibt es keine Sünde...“.