Die Paziner Grotte faszinierte Dante und Jules Verne; auch Sie werden von Ihr begeistert sein

Die Paziner Grotte faszinierte Dante und Jules Verne; auch Sie werden von Ihr begeistert sein

Unter den mehr als zweitausend Grotten, Schlucklöchern, Gruben und Höhlen in Istrien gibt es eine, aus der ganz offensichtlich eine besondere kreative Energie ausströmt. Das wundersame Naturphänomen an der Grenze zwischen dem „grauen“ und „roten“ Istrien, in dem der größte istrische Karstfluss Pazinčica in einem endlosen Abgrund namens Paziner Grotte verschwindet, hat viele anerkannte Schriftsteller inspiriert.

 

 

Einer der größten Dichter der Welt, der Italiener Dante Alighieri, war angeblich von der Paziner Grotte inspiriert, die er bei einem Istrienbesuch gesehen hatte, als er den Teil im Ersten Gesang der Göttlichen Komödie schrieb, der sich mit dem Einstieg in die Hölle befasst, „wo alle, die hier eintreten, ihre Hoffnung fahren lassen sollen“.

 

 

Der Vater der Science-Fiction, Jules Verne, hat sich zwar niemals in Istrien oder Pazin aufgehalten, doch die Handlungsorte seines Romans „Mathias Sandorf“ liegen zum Teil in der Paziner Grotte und im Lim-Kanal, wobei sich der Autor den detaillierten Beschreibungen des Reiseschriftstellers Charles Yriarte und der Fotografien bediente, die er vom damaligen Paziner Bürgermeister Giuseppe Cech bekommen hatte.

Julien Duval

Es bestehen auch zahlreiche Legenden zur Paziner Grotte. Eine der bekanntesten ist jene von dem Riesen Ban Dragonja, nach dem auch der istrische Fluss Dragonja benannt wurde.

Volksüberlieferungen zufolge sollen in fernen Zeiten Riesen und Menschen zusammen auf der zauberhaften kroatischen Halbinsel gelebt haben. Obwohl er so groß war wie ein Gebirge, war der Riese Ban Dragonja gut, edel und den Menschen immer zu Diensten. So wurde er einmal von den Menschen gebeten, mitzuhelfen, den Südteil Istriens, der weder Bäche noch Quellen hatte, zu bewässern. Der gutmütige Riese spannte sofort Ochsen vor seinen Pflug, durchpflügte die Erde und schuf eine Furche vom See bis zum Meer, worin der Fluss Dragonja entstand.

 

 

Bald darauf pflügte das riesige Geschöpf auch eine zweite Furche für den Fluss Mirna, der nach seiner Frau benannt wurde. Der Riese setzte seine Arbeit fleißig fort und begann eine dritte Furche anzulegen, doch das unzugängliche Gelände voller Karstlöcher und Gruben machte es ihm unmöglich, den Pflug tief genug in die Erde zu treiben. Als er im Zentrum Istriens und in Pazin angekommen war, schrie ihn ein Hauptmann von den Wehrmauern des Kastells an und behauptete, der Riese habe seine Arbeit nicht gut erledigt.

Die Paziner Grotte, oder: Lass den Riesen in Ruhe, solange er arbeitet

Ban Dragonja war sehr verärgert und trieb die Ochsen zurück. In diesem Moment floss Wasser in die nicht fertiggestellte Furche und begann den Paziner Talkessel zu füllen. Die entsetzten Menschen befürchteten eine Überflutung und baten den Riesen, sie vor dem Tod zu retten.

Julien Duval

Der mächtige Ban Dragonja entschloss, Gnade walten zu lassen, weil er ein gutes Herz hatte. So trat er mit seinem riesigen Fuß hart auf den Erdboden, genau unterhalb des Paziner Kastells. Der Fußtritt war so stark, dass sich eine riesige Grube mit einem schrecklichen Donnern in der Erde öffnete, in die das ganze Wasser abfloss; so entging Pazin dem sicheren Tod.

Heute kann man das Werk des Riesen Ban Dragonja in einem einzigartigen Höhlenabenteuer erleben, das vom Paziner Kastell aus in die geheimnisvolle Unterwelt der Paziner Grotte führt. Geführte Besichtigungen sind bei vorheriger Anmeldung das ganze Jahr über möglich. Der Einstieg in die Welt der Göttlichen Komödie und die Phantasiewelt von Jules Verne war nie aufregender.