Der Niedergang der grausamen Schwarzen Königin

Der Niedergang der grausamen Schwarzen Königin

Ein wenig oberhalb des malerischen Zagreber Stadtteils Šestine, an den Hängen des Medvednica-Gebirgszugs, beginnt der Bergpfad Nummer 13, einer der beliebtesten bei den Zagrebern, die meistens am Wochenende die Farben und Düfte des Waldes wahrnehmen wollen.

 

Die gemütliche Wanderung auf dem Lehrpfad Miroslavec durch „50 Schattierungen von Grün“ führt die Ausflügler in etwa einer Stunde zum Kraljičin Zdenac, dem Königinnen-Brunnen, einem der bekanntesten Wahrzeichen des Zagreber Gebirges. Die kleine Sitzbank am See lädt geradezu zum Sitzen ein, während sich die gutmütigen Baumkronen an der Wasseroberfläche spiegeln und Vogelgezwitscher im Hintergrund zu hören ist.

 

Heute dient der Königinnen-Brunnen als Ruheoase, doch einst spielten sich hier schreckliche Dinge ab, die in den Ortschaften unterhalb der Bergspitze Sljeme in Legenden weiterleben. Mitte des 15. Jahrhunderts lebten in der Burg Medvedgrad an den Südhängen der Medvednica die berüchtigten Grafen Celjski, die Angst und Schrecken unter den Einwohnern des damaligen Zagrebs verbreiteten. Besonders furchteinflößend war die Gräfin Barbara Celjska. Obwohl sie in historischen Aufzeichnungen als Gemahlin des ungarisch-kroatischen Königs Sigismund erwähnt wird, ist sie in den volkstümlichen Überlieferungen eher als böse Schwarze Königin bekannt, um die sich noch viele schreckliche Legenden ranken.

Der Volksüberlieferung nach war die Schwarze Königin eine grausame Frau mit langem schwarzem Haar, immer in Schwarz gekleidet, wie ihr Name schon sagt. Da sie schwarze Magie betrieb, herrschte sie über viele Biester; das schrecklichste davon war ein Rabe, schwarz und finster wie die Nacht. Er war so abgerichtet, dass er allen, die bei der Herrin in Ungnade gefallen waren, die Augen ausstach und die Haut aufschlitzte.

Kraljičin Zdenac: Eine geheimnisvolle Quelle in 50 Schattierungen von Grün

Die ganze Bösartigkeit ihrer Seele kam eines Tages zum Vorschein, als große Trockenheit auf der Medvednica und Umgebung herrschte. Alle Quellen und Bäche waren ausgetrocknet, außer dem Brunnen in Medvedgrad. Die von Durst gepeinigten Menschen kamen zum Schloss und baten um Wasser, doch die arrogante Schwarze Königin versagte ihnen diese kostbare Flüssigkeit und überließ sie den Bestien im Wald, denen sie schutzlos ausgeliefert waren.

 

Als sie schon dem Tode nahe waren und ihre Kehlen sich fast schon zu Sand verwandelt hatten, stießen die Menschen im Wald auf eine kalte Quelle, das vorher nicht dagewesen war.  Sobald sie, von Durst und Angst gepeinigt, das Wasser gierig zu trinken begannen, trocknete der Brunnen der Schwarzen Königin in Medvedgrad, den sie dem Volk so selbstsüchtig vorenthalten hatte, in kurzer Zeit aus.

Denis Kovačić

Auf der anderen Seite bekam die Quelle am Ort der Rettung mitten im Wald, die dem Volk den Durst stillte, den Namen Königinnen-Brunnen. Diese Trinkwasserquelle des Kraljevac-Bachs sprudelt auch heute noch fröhlich vor sich hin und erfrischt die Besucher des Zagreber Gebirges.